
Färberpflanze (Strobilanthes cusia)
Während unserer Zeit in der Provinz Lao Cai, ganz oben im Norden Vietnams, haben wir viel Zeit im Gebiet rund um Sapa verbracht. Wer dort zu Fuß die Gegend erkundet und durch die Straßen wandert, merkt schnell, dass man hier in einer ganz eigenen Welt aus Nebel, Bergen und lebendiger Kultur gelandet ist.
Dabei sind uns immer wieder diese bestimmten Pflanzen aufgefallen. Sie wuchsen überall am Wegesrand, lugten aus Böschungen hervor und an vielen Stellen konnte man sehen, dass sie ganz bewusst und systematisch angebaut wurden. Eine klassische Zierpflanze war das nicht – dafür fehlte der typische „Vorgarten-Charakter“.
Ehrlich gesagt: Wir hatten zu diesem Zeitpunkt absolut keine Ahnung, was wir da vor uns hatten. Mein Bauchgefühl sagte mir jedoch: „Zück die Kamera und mach ein paar Fotos!“ Irgendetwas an der Allgegenwärtigkeit dieser Pflanze verriet mir, dass sie eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen hier spielen musste.
An fast jeder Ecke in Sapa gab es diese kleinen Geschäfte, in denen die Frauen der H’mong ihre tiefdunkel gefärbten Stoffe und Kleidung ausstellten. Dass diese prächtigen Textilien und das Grün, das wir kurz zuvor am Straßenrand gesehen hatten, unmittelbar zusammengehören, war uns absolut nicht bewusst. Wenn wir hätten raten müssen, hätten wir eher auf ein exotisches Gewürz für die vietnamesische Küche getippt!
Die Auflösung: Botanik trifft auf Jahrtausende alte Tradition
Was wir für ein Küchenkraut hielten, ist in Wahrheit die Basis für eines der ältesten Handwerke der Region. Die Pflanze ist der Assam-Indigo (botanisch: Strobilanthes cusia).
Für uns Pflanzenbegeisterte bei Tropical Green ist sie ein faszinierendes Beispiel für die Nutzbarkeit tropischer Gewächse. Hier ist der botanische Steckbrief zu unseren Entdeckungen in Lao Cai:
- Familie: Sie gehört zu den Akanthusgewächsen (Acanthaceae).
- Die Blüten: Wie auf unseren Fotos zu sehen, trägt sie zarte, leicht gebogene Röhrenblüten in einem blassen Violett- oder Lavendelton.
- Die Blätter: Das „Herz“ der Produktion. Sie sind gegenständig angeordnet, elliptisch und haben eine markante, tief liegende Nervatur.
- Standort: In den Höhenlagen von Sapa findet die Pflanze perfekte Bedingungen: Hohe Luftfeuchtigkeit, kühle Nächte und schattige Plätze unter dem Blätterdach der Bergwälder.
Vom grünen Blatt zum tiefen Blau
Das wahre Geheimnis der Pflanze offenbart sich erst nach der Ernte. Die grünen Blätter enthalten den Stoff Indican. Die H’mong-Frauen in Lao Cai beherrschen den komplizierten Prozess, diesen Stoff in das weltberühmte Indigo-Blau zu verwandeln:
- Fermentation: Die Zweige und Blätter werden tagelang in Wasser eingeweicht.
- Oxidation: Durch Zugabe von Kalk und kräftiges Schlagen der Flüssigkeit kommt Sauerstoff hinzu. Erst dann verwandelt sich die grünliche Brühe wie durch Zauberei in tiefes Blau.
- Färben: Die Stoffe werden mehrfach in diese Küpe getaucht, bis sie die fast schwarze, bläuliche Tiefe erreichen, die so typisch für die Trachten der Region Sapa ist.
Ein lebendiges Erbe in Lao Cai
Es ist faszinierend zu sehen, wie eine Pflanze, die man im Vorbeigehen fast als „Unkraut“ oder Küchenkraut abgetan hätte, das gesamte Erscheinungsbild einer Region prägt. In den Bergen von Sapa ist Strobilanthes cusia weit mehr als nur Botanik – sie ist Identität, Handwerk und Geschichte in einem.
Pflanzen-Tipp: Falls du selbst einmal in Vietnam bist, achte in der Provinz Lao Cai auf die Hände der H’mong-Frauen. Oft sind ihre Fingerspitzen vom ständigen Kontakt mit der Pflanze und dem Farbstoff dauerhaft blau gefärbt – ein echtes Ehrenzeichen ihrer Handwerkskunst.
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