Es gibt Orte, die fühlen sich nicht wie ein Reiseziel an, sondern wie ein kleines Abenteuer. Cat Ba, unweit von Hanoi, ist genau so ein Ort. Eine Insel mit felsigem Charakter, dichtem Grün und diesem ganz besonderen Dschungelfeeling, das immer dann entsteht, wenn die Wege schmaler werden und man merkt: Jetzt beginnt die Natur.
Der Tag begann entspannt – mit einem vietnamesischen Egg Coffee. Cremig, süß, intensiv. Wer einmal in Vietnam unterwegs ist, sollte ihn unbedingt probieren. Es ist kein Kaffee. Es ist ein Erlebnis im Glas.



Von unserem Homestay auf Cat Hai ging es früh los Richtung Rock Climbing Fisher Valley. Der Plan war simpel: Lokalbus nehmen, aussteigen, loslaufen. Und tatsächlich funktionierte alles wunderbar – bis der Busbegleiter einschlief. Unser Ausstiegspunkt? Verpasst.
Also hieß es: zurücklaufen. Entlang der Straße. Nicht unbedingt die romantischste Passage der Tour, aber manchmal gehören genau diese Momente dazu. Abenteuer beginnen oft nicht spektakulär, sondern mit einem kleinen Umweg.
Kurz vor der Cat Ba Eco Lodge zweigt rechts ein unscheinbarer Pfad ab. Wer ihn nicht kennt, läuft daran vorbei. Markiert ist der Weg mit farbigen Bändern, die alle paar Meter an Sträuchern befestigt sind. Doch man muss sein Auge schulen. Attraktiv wirkende Pfade führen schnell in Sackgassen. Also: aufmerksam bleiben, Natur lesen lernen.
Der Weg führte uns quer durch den Dschungel – mal steil hinauf, mal rutschig hinunter, immer schmal, immer dichter werdend. Das Grün schloss sich über uns, die Geräusche wurden gedämpfter, die Luft feuchter. Ziel war das berühmte Butterfly Valley.
Schon nach wenigen Metern war klar, warum es diesen Namen trägt. Überall Schmetterlinge. Kleine, große, helle, dunkle. Sie tanzten zwischen Licht und Schatten. Und wir stellten uns vor, wie es wohl in der Hauptsaison aussehen muss, wenn die Wärme noch stärker ist und das Tal in Bewegung gerät.
Wir waren im Winter unterwegs. Nicht kalt – aber eben auch nicht tropisch. Und dennoch: Der Dschungel lebte.
Als sich der Blick plötzlich öffnete und wir ins Tal hinabstiegen, fiel mein Blick auf einen Baum voller Beeren. Sofort blieb ich stehen. Die Früchte erinnerten an Stachelbeeren – rund, leicht gerippt, grünlich. Für mich war die Sache nahezu eindeutig: Phyllanthus emblica, die indische Stachelbeere.


Die indische Stachelbeere – kurz vorgestellt
Phyllanthus emblica, auch Amla genannt, ist in weiten Teilen Süd- und Südostasiens verbreitet. Der Baum trägt kleine, kugelige Früchte mit glatter, leicht segmentierter Oberfläche. Die Blätter sind schmal, dicht angeordnet und erinnern aus der Ferne fast an gefiederte Blätter.
Die Früchte gelten als wahre Vitamin-C-Bomben und spielen in der ayurvedischen Medizin eine große Rolle. Geschmacklich sind sie intensiv sauer, leicht bitter und entwickeln im Nachklang eine erstaunliche Süße.
Dort am Wegesrand wuchs der Baum scheinbar selbstverständlich. Vielleicht einst gepflanzt. Vielleicht durch Vögel verbreitet. Die Natur findet ihren Weg.
Ich wollte die Bestimmung noch einmal mit dem Smartphone überprüfen – doch kein Empfang. Kein Netz, keine schnelle Bestätigung. Und auch wenn ich mir botanisch ziemlich sicher war: Eine Probe ohne 100-prozentige Verifikation? Nach einer anstrengenden Tour mitten im Dschungel? Lieber nicht.
Also blieb es bei Fotos.
Später, zurück mit Empfang, bestätigte sich meine Vermutung. Es war tatsächlich Phyllanthus emblica. Im Nachhinein natürlich schade, die Früchte nicht probiert zu haben. Aber genau hier liegt auch eine wichtige Regel: Wenn man sich nicht absolut sicher ist, bleibt es beim Foto. Abenteuer ja – Leichtsinn nein.
Und doch war diese Begegnung mehr als nur eine verpasste Geschmacksprobe. Sie war Inspiration.
Die Idee, diese Pflanze selbst aus Samen zu ziehen, ließ mich nicht mehr los. Ob sie in unseren Breiten kultivierbar ist? Ob sich das Experiment lohnt?
Ihr kennt mich – natürlich werde ich es ausprobieren.
Vielleicht wächst irgendwann ein kleiner Amla-Baum in meinem Garten. Und vielleicht erinnert er mich dann jedes Mal an schmale Pfade, flatternde Schmetterlinge und diesen Moment im Dschungel von Cat Ba, als ich wieder einmal gemerkt habe:
Natur belohnt die, die genau hinschauen. 🌿
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