Wer hätte das gedacht: Die sogenannte „Stinkfrucht“ begeistert mich. Als ich das erste Mal in Brasilien unterwegs war, war die Durian für mich eher ein Gedankenspiel als eine reale Begegnung. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie mir dort überhaupt bewusst aufgefallen ist.
Ganz anders in Vietnam. Dort kommt man an der Durian nicht vorbei. Sie liegt auf Märkten in meterhohen Stapeln, wird frisch aufgeschnitten angeboten, zu Eiscreme verarbeitet, in Gebäck gefüllt, in Milchshakes gemixt und sogar in Kaffee integriert. Es dauerte nicht lange, bis wir unsere erste frische Frucht probierten.
Viele kennen sie als „Stinkfrucht“. Und ja, sie riecht nicht klassisch fruchtig wie eine Mango oder Ananas. Neben süßen Noten tauchen Aromen auf, die an Käse oder sogar Zwiebeln erinnern können. Doch Geruch ist subjektiv. Es ist ein bisschen wie mit Knoblauch: Die einen rennen schreiend davon, die anderen laufen ihm begeistert hinterher.
Frisch geöffnet hat mich die Durian überrascht. Das Fruchtfleisch ist cremig, fast puddingartig, leicht süßlich mit einer komplexen Tiefe, die man bei kaum einer anderen Frucht findet. Mich hat genau diese Eigenwilligkeit überzeugt. Der Geschmack ist nicht glattgebügelt, nicht angepasst, sondern selbstbewusst. Und gerade deshalb spannend. Ich kann mir Durian hervorragend auch in herzhaften Gerichten vorstellen, ähnlich wie man es mit der Jackfrucht macht – auch wenn beide botanisch nichts miteinander zu tun haben.
Die Durian gilt in Südostasien als „Königin der Früchte“. Während sie hierzulande oft nur als exotische Kuriosität wahrgenommen wird, hat sie in Ländern wie Vietnam, Thailand oder Malaysia einen ganz anderen Stellenwert. Betrachtet man die Bevölkerungszahlen dieser Regionen, verschiebt sich die Perspektive schnell: Für einen Großteil der Weltbevölkerung ist Durian kein Exot, sondern Alltag.
Interessant ist auch der kulturelle Widerspruch. Obwohl man sie überall kaufen kann, ist sie in vielen Hotels und Unterkünften verboten. Der intensive Geruch kann sich hartnäckig in Räumen halten – und selbst in Vietnam sorgt sie nicht nur für Begeisterung, sondern auch für hochgezogene Augenbrauen.




Herkunft, Anbau und Produktion
Botanisch gehört die Durian zur Gattung Durio innerhalb der Familie der Malvengewächse. Die wirtschaftlich wichtigste Art ist Durio zibethinus. Ursprünglich stammt sie aus dem tropischen Südostasien.
Durianbäume sind stattliche Gewächse, die 25 bis 40 Meter hoch werden können. Sie lieben ganzjährig hohe Temperaturen, viel Niederschlag und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Genau deshalb fühlt sich die Frucht im äquatorialen Klima so wohl. Vom Setzling bis zur ersten nennenswerten Ernte vergehen meist fünf bis acht Jahre. Danach können ausgewachsene Bäume mehrere hundert Früchte pro Saison tragen.
Der weltweit größte Produzent ist heute Thailand, dicht gefolgt von Indonesien und Malaysia. In den letzten Jahren hat auch Vietnam seine Produktion stark ausgeweitet, insbesondere für den Export nach China. China selbst ist inzwischen der größte Importmarkt und treibt die Nachfrage massiv an.
Ein Großteil der Ernte wird frisch verkauft und direkt konsumiert. Darüber hinaus wird Durian tiefgefroren exportiert, zu Süßwaren, Eiscreme, Chips, Paste oder Getränken verarbeitet. In manchen Regionen ist sie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und trägt erheblich zum Einkommen ländlicher Familien bei.
Nährwerte und ernährungsphysiologische Eigenschaften
Was viele überrascht: Durian ist deutlich gehaltvoller als die meisten klassischen Früchte. Pro 100 Gramm Fruchtfleisch liefert sie etwa 140 bis 160 Kilokalorien. Damit liegt sie energiemäßig eher im Bereich einer Banane – teilweise sogar darüber. Verantwortlich dafür ist nicht nur der natürliche Fruchtzucker, sondern auch ihr vergleichsweise hoher Fettanteil.
Doch keine Sorge: Es handelt sich überwiegend um pflanzliche, ungesättigte Fettsäuren. Diese liefern Energie und tragen zu einer cremigen Textur bei. Genau deshalb wirkt Durian eher wie eine kleine Mahlzeit als wie ein leichter Snack.
Hinzu kommen rund 3 bis 4 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm. Diese unterstützen die Verdauung und sorgen für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Gerade auf Reisen, wenn Mahlzeiten unregelmäßig ausfallen, ist das durchaus praktisch.
Durian enthält außerdem nennenswerte Mengen an Kalium, das für die Funktion von Muskeln und Nerven wichtig ist. Auch Magnesium, Eisen und Zink sind enthalten. Besonders interessant ist der Gehalt an B-Vitaminen, vor allem Vitamin B1 (Thiamin) und Vitamin B6. Diese spielen eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und bei der Funktion des Nervensystems.
Vitamin C ist ebenfalls vorhanden, wenn auch nicht in extrem hohen Mengen wie bei Zitrusfrüchten. Dennoch trägt es zur Unterstützung des Immunsystems bei.
Auffällig ist zudem der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und Schwefelverbindungen, die unter anderem für den intensiven Geruch verantwortlich sind. Genau diese Stoffe werden auch mit antioxidativen Eigenschaften in Verbindung gebracht.
Durch ihre Kombination aus Kohlenhydraten, gesunden Fetten, Ballaststoffen und Mikronährstoffen ist Durian ernährungsphysiologisch komplexer, als ihr Ruf vermuten lässt. Sie ist kein Diätobst, sondern eher ein kraftvoller Energielieferant aus den Tropen.
Vom Mythos zur Gewohnheit
Für mich ist der Mythos Durian längst keiner mehr. Was einst wie eine Mutprobe klang, ist inzwischen ein regelmäßiger Genuss geworden. In Vietnam entdeckte ich sogar Durian-Kaffee – eine Kombination, die ich ohne Zögern als Instant-Variante im Koffer mit nach Hause nahm.
Manchmal sind es genau diese Erfahrungen, die zeigen, wie sehr sich Wahrnehmung ändern kann. Was zunächst fremd wirkt, wird mit Neugier betrachtet plötzlich faszinierend. Und genau das macht Reisen – und Gartenleidenschaft – so spannend. Denn wer weiß, welche „Stinkfrucht“ sich am Ende als persönliche Königin entpuppt.
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