Update zu den Reinzuchthefen – erste Bewegung im Glas
Vor zwei Tagen hatte ich einen Versuch gestartet mit vier verschiedenen Reinzuchthefen in weißem Traubensaft. Steinberg, Sherry, Portwein und Champagner – alle unter identischen Bedingungen, gleicher Saft, gleiche Gläser, gleiche Raumtemperatur.
Dass bereits nach einem Tag etwas sichtbar sein würde, hatte ich an sich ausgeschlossen. Die Hefen müssen schließlich erst einmal „aufwachen“, sich an ihr neues Umfeld gewöhnen und in Schwung kommen. Gerade bei Trockenhefen rechne ich eher mit einer gewissen Anlaufzeit.
Am Abend von Tag zwei zeigte sich dann jedoch etwas, das nicht sofort ins Auge springt – aber bei genauerem Hinsehen durchaus spannend ist.
Während sich die Sorten Sherry, Portwein und Steinberg noch nahezu identisch präsentieren und der Saft weiterhin klar erscheint, wirkt das Glas mit der Champagner-Hefe bereits leicht trüb. Zudem ist eine feine Filmbildung an der Oberfläche erkennbar. Keine wilde Bläschenbildung, kein sichtbarer Sturm – aber eindeutig Aktivität.
Die Champagner-Hefe scheint ihrem Ruf als „Arbeitstier“ gerecht zu werden. Sie wirkt, als könne sie es kaum abwarten loszulegen. Das passt zu dem, was man über sie liest: robust, durchsetzungsfähig und auch unter schwierigen Bedingungen schnell aktiv.
Ich gehe jedoch davon aus, dass es in den anderen Gläsern in den kommenden Stunden oder ein bis zwei Tagen ebenfalls richtig losgehen wird. Wir haben ja bereits gelernt, dass es ungefähr vier bis fünf Tage dauert, bis die aktive Gärphase deutlich sichtbar wird – und etwa zehn Tage, bis ein sprudelndes Getränk entstanden ist.
Noch ist alles ruhig. Noch sieht es eher nach Traubensaft als nach Wein aus. Aber unter der Oberfläche beginnt bereits das, was ich so spannend finde: mikroskopisch kleine Prozesse, die darüber entscheiden, wie das Endergebnis schmecken wird.
Wir werden sehen – und ich werde berichten.

